Narn i Eryn Galen - Geschichten des Grünen Waldes

Weiße Fäden

Hochdei, 23 Tag des Winterfilth 2946

Fünf Tage lang zogen die Gefährten durch den Düsterwald. Belgo vermisste bereits die Fürsorge der Elben. Aber auch den Freunde selbst schlug die schwere, süße Luft des Waldes bereits auf das Gemüt.  Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern der Karawane war Filibert weiterhin guter Dinge. Und vielleicht war es gerade dieser freie Kopf, der dafür sorgte, dass er im Wald etwas entdeckte. Vor allen anderen sah er im Gestrüpp, abseits des Pfades, ein bekanntes Gesicht.

Ein geplagtes und verwildertes Ebenbild seines alten Bekannten "Jäger". So nannte er sich, wie bei den Waldmenschen üblich.  Verdutzt, den Hobbit mitten im Düsterwald zu sehen, begrüßten sich die Freunde. Filibert stellt den jungen Waldmann vor. Der Jäger war auf der Fährte eines Warges gewesen, als er im Düsterwald schließlich vom Weg abkam und die Fährte verlor. Schnell war man sich einig den Rückweg gemeinsam anzutreten. Obgleich, Baldor zu verstehen gab, dass er nur wenig Extralohn zur Verfügung stellen könne.

Der Jäger machte sich im Laufe des Tages noch sehr nützlich. Den Vogel, den Randur fünf Tage gejagt hatte noch gut in Erinnerung, verspeisten die Gefährten in dieser Nacht ein köstlichen Hasenbraten. Zufrieden und mit einem vollen Magen gingen die Weggefährten auf den weichen Boden des Waldes zur Ruhe. In dieser Nacht sahen sowohl Filibert als auch der Jäger die ersten feinen, glänzenden Anzeichen eines düsteren und ganz und gar bösartigen Waldbewohners.

Sterrendei, 24. Tag des Winterfilth 2946

Eben dieses Thema wurde am nächsten Tag besprochen. Der Jäger stellte klar, dass es ab jetzt gefährlich werde. Vor allem Nachts. Vidrak stellte darauf stolz zur Aussicht, dass er eine der alten Trinkhallen des Elbenkönigs kenne. Dort wäre man sicherer als irgendwo sonst im Düsterwald. Die Halle könne auch noch vor dem Einbruch der Nacht erreicht werden. Abweichend vom Pfad. Baldor stimmte schließlich in diesen Plan ein und ein langer und beschwerlicher Weg durch das Gebüsch und wurzeliges Dickicht des Waldes begann. Die Ponys musste angetrieben werden und man kam langsamer voran als Vidrak gehofft hatte.

Auf diesem Weg merkte Randur schließlich, dass sie verfolgt wurden. Mit der Hilfe des Jägers  identifizierten sie den Verfolger als einen alten, vermutlich aber wilden und hungrigen Hund. Sie legten etwas Fleisch aus und während die Gefährten weiter zogen, blieb Randur um ein genaueren Blick zu erhaschen. Der alte, zottige Hund war groß und sah verwildert aus. Er wagte sich zögernd an das Fleisch und verspeiste es mit Heißhunger. Zufrieden, dass sie nicht von einem Warg oder Wolf verfolgt wurden kehrte Randur zur Gruppe zurück.

Die Sonne warf kaum noch Licht in den Wald, als sie eine große Lichtung erreichten. Vidrak und FIlibert war zuvor aufgefallen, wie das Gras von Minute zur Minute grüner und kräftiger wurde. Hier auf dem Hügel, wo nur vereinzelt Bäume standen, war es saftig wie mitten in einem Sommer im Auenland. Von einer Trinkhalle war jedoch nichts zu erkennen. Vidrak suchte eifrig, doch bis auf eine größere Steinplatte die schief im Boden steckte war nichts zu erkennen. Diese "Trinkhalle" wie der Elb es genannt hatte, schien viel mehr eine Lichtung zu sein. Doch hier schien es in der Tat friedvoller zu sein, als im Rest des Waldes.

Nahebei plätscherte ein Bach, und als die Nacht hereinbrach fragte sich Baldor ob dieses Wasser wohl trinkbar sei. Vidrak und Randur rieten davon ab, doch der Jäger nahm ein kräftigen Schluck. Noch während der Jäger merkte wie sehr das Wasser ihn zu beleben schien, trank Baldor nicht auf die Warnung der Freunde achtend ebenfalls. Kaum ein Atemzug später, verklärte sich Baldors Blick und er begann zu schreien. Baldor schien alles vergessen zu haben. Er war wieder in der Nacht in der das Drachenfeuer seine Frau und sein Leben verschlang. Belgo, der zu der Zeit kaum 5 Jahre alt war, erkannte er nicht wieder. Wahnsinnig vor Angst rannte er in den Wald. Der Jäger war ihm bereits dicht auf den Fersen, doch der Düsterwald ist dicht und verschlungen. Erst nach einer halben Stunde konnte der Jäger ihn mit Avinas Hilfe einfangen und zurück bringen. Auf diesem Weg aber merkte er welchen Pfad Baldor genommen hatte. Überall waren Spinnenwebfäden durchbrochen und zerrissen. Sie klebten an Baldor. Es gab keine Chance, dass die Spinnen dies nicht bemerkt hatten. Eile war geboten.

Während dessen versuchten die übrigen Gefährten den jungen Belgo in Schach zu halten. Randur wollte Baldor den blauen Stein zeigen, den Belgo um sein Hals trug, damit Baldor sich an seinen Sohn erinnerte. Diese Idee ging nach hinten los, und wäre da nicht Randurs fester Griff, so wäre der Junge vermutlich in den Wald gerannt. So jedoch beruhigten sie ihn, bis Baldor gefesselt zurück kam. Baldor erkannte den Jungen immer noch nicht wieder, doch es gab andere Probleme.

Der Jäger berichtete von den Spinnenfäden und es begann eine improvisierte Vorbereitung die Lichtung zu verteidigen. Die Spinnen ließen sich nicht lange bitten, doch mit den vorbereiteten Feuerstellen, Filiberts feuriger Treffsicherheit und der Kampfeslust von Vidrak und dem Jäger war die erste Welle zurück geschlagen worden. Der Jäger aber war verwundet und musste versorgt werden. Nicht vergiftet wie Filibert schnell feststellte, doch eine ganze Nacht würden die Gefährten so nicht überdauern. Vidrak suchte eifrig die Lichtung ab. Dort wo die Spinnen verendet waren starb das Gras und der Elbenzauber schien zu verfliegen. Eile! Er besah sich die Felsplatte in mitten der Lichtung erneut und erkannte elbische Schrift aus feinen silbernen Fasern, die in den Stein eingearbeitet waren. Ein Schutzbann. Der Zwerg grub. Filibert deckte das Loch, das sich nun unterhalb des Bannsteins befand mit Planen und Stoffen ab. Die Gefährten verkochen sich mit den Ponys unter den Lacken. Das Hissen und Fauchen der Spinnen war überall um sie herum. Giftklumpen prallten an die Decken und den Gefährten wurde es bange. Die Zeit verging kaum, und das Getöse um ihre Zuflucht herum schien nicht abzunehmen.

Filibert zückte seine Fidel und begann ein fröhliches Lied seiner Heimat anzustimmen. Erst Vidrak, dann Randur und die anderen fielen in die Musik ein und das Getöse um sie herum schien leiser zu werden. Die Angst verflog nicht zur Gänze, doch die fröhliche Fidel des Hobbits übertönte das Toben der Spinnen.

Sunnendei, 24 Tag des Winterfilth 2946

Sie schliefen kaum oder gar nicht. Bei Tagesanbruch wagten sich die Gefährten hinaus und sahen eine von schwarzen Flecken, verdorrtem Gras und mit Spinnweben übersähet  Lichtung. Einzig der Stein mit seinen Schriftzeichen war unberührt. Vidrak und der Jäger versuchten grob die Lichtung von den Unrat zu befreien, doch nur die Zeit konnte all dies heilen, wenn überhaupt.

Der Rückweg war bedrückend. Diese Nacht würden sie wieder im Freien übernachten müssen. Die Wolken hingen tief und dunkel am Himmel, als schließlich der Elbenpfad wiedergefunden wurde. Vidrak und Filibert fanden eine alte Höhle in der sie die nächste Nacht verbringen konnten. Sie waren heute nicht weit gekommen, doch die Stimmung war nicht gut. Baldor und Belgo schwiegen sich aus und als der Jäger von seiner Jagt wieder kehrte machte er ein bedrücktes Gesicht. Er hatte auf seiner Jagt den zerbissenen, von Gift aufgeblähten und blau angelaufenen alten Hund entdeckt, der sie gestern kurz verfolgt hatte. Dieser Wald war unerbittlich. Müde kraulte er Avinas Kopf.

Comments

Namo

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.