Narn i Eryn Galen - Geschichten des Grünen Waldes

Von Schätzen und Wahnsinn

Meresdei, 31 Tag des Winterfilth 2946

Die Ereignisse an der elbischen Trinkhalle lagen zwar einige Tage zurück, doch in vielen der Gefährten hatte es einen düsteren Fleck hinterlassen. Das Wetter wurde von Tag zu Tag trüber und stickiger. Zwischen dem dichten Geäst des Waldes zeigten sich dunkle tief hängende Wolken. Und seit Beginn des Tages hörten die Reisenden dunkles Grollen.

Die Gruppe wollte sich gerade für eine Rast aufstellen, als Randur entschied sich im näheren Dickicht etwas umzuschauen. Er hatte in den Ästen eines Baumes etwas sonderbares entdeckt. Eine kaum zu erkennende, in den Baum geschlagene Trittleiter und ein mit glitzernden Steinen, Metallen und Federn versehenes Windspiel. Der Jäger erkannte eine gewissen Ähnlichkeit mit den Talismanen, die die Äteren seines Volkes anfertigen, und doch waren diese anders. Am obersten Ende der Trittleiter bot sich Randur ein weiter Blick über den Düsterwald. Hinter ihnen sah er eine düstere Ruine aus schwarzem Stein, doch weiter in den Wald hinein, sah er mehr der Windspiele glitzern. Auch deutete alles darauf hin, dass der Verursacher dieser Windspiele nicht weit vom Weg lebte. Nach kurzem Zwist darüber, ob sie nach einem möglicherweise sicherem Hafen für eine Nacht suchen sollten oder nicht, brachen die Gefährten auf, den Bewohner des Düsterwaldes zu suchen. Schließlich war man sich einig, eine sichere Nacht würde jedem gut tun.

Die Reisenden folgten dem Windspielen, und Vidrak und sein gefiederter Freund beschlossen einige besonders wertvoll aussehende Edelsteine mitzunehmen. Filibert dagegen, fühlte sich beobachtet und beschloss etwas weniger auffällig im Gebüsch nach einem möglichen Verfolger zu suchen. Er glaubte fast etwas im Gebüsch zu erkennen, als der Verfolger sich zuerst zu Wort meldete. Noch während schwirrend ein Pfeil an Randur und dem Jäger vorbei zischte, fragte der Verfolger nach den Namen und ihrem Begehr in diesem Wald. In einem hastigen und gefährlichen Gespräch überzeugten sie den Eremiten – der offensichtlich verwirrt, wenn nicht sogar wahnsinnig war – dass sie Freunde seien, und ihm nichts böses wollten.

Die verlotterte, alte und sehnige Gestallt bot den Gefährten überraschend schnell an, bei Ihm zu nächtigen. Gerade rechtzeitig, da ein Sturm über den Düsterwald zog und bald die Gefährten erreichen würde.  Auch wenn der Jäger schnell das Gefühl hatte, dass der alte Mann mal zu seinem Volke gehörte, so stand das Treffen doch unter keinem besonders günstigen Stern. In der Behausung des Eremiten kam es nicht zu der ersehnten Anfreundung, die die Gefährten in einem so unwirtlichen Wald begrüßt hätten. Man duldete sich gegenseitig. Allen war klar, dass ein falsches Wort den Eremiten gegen sie aufbringen konnte. Die Wände der Behausung war beunruhigend mit den Abbildungen von Monstern und Dämonen bekritzelt worden. Wie Vidrak bald herausfand, als er den Eremiten aus einem Albtraum weckte, waren dies die Albträume des alten Mannes.

Vidrak hatte den Mann ohne Namen in einem hellen Moment erwischt. Er erfuhr, dass der Mann ein Gefangener gewesen war. In einem alten Turm, von Orks und Monstern geführt. Der Turm viel vor einiger Zeit, aber er blieb. Niemand hatte ihn freigelassen, denn er war zu tief in den Gemäuern gefangen gehalten worden. Die Elfen, die Männer, die Zwerge, alle seien gleich Feige gewesen. Bis er sich selbst befreit hatte, hatte er bereits zu viel von dem Gesehen, was tief im Gefängnis umging, als alle anderen Wesen fort waren . Er erzählte Vidrak, dass er nicht mehr unter seines gleichen leben konnte. Er vertraute ihnen nicht. Habgier, Neid, Neugier, alles Dinge die erst zustande kamen, wenn man mit anderen in Kontakt trat. Und diese Dinge waren es, die dem Schatten die Herzen öffneten.

Als wüsste er von Vidraks Gedanken, erwähnte der Alte, dass die Schätze die er aus dem Turm mitgebracht hatte alle verflucht seien. Alles Besitz sei ein Fluch, das sollte sich der werte Herr Zwerg merken.

Zwar versuchte Vidrak alles, doch der Eremit ließ sich nicht überzeugen mit der Gruppe den Wald zu verlassen. Er habe noch seinen alten Hund, den Weggefährten, der Ihn als einziger im Turm gefunden hatte. Er tauche immer wieder auf, auch wenn er nun schon lange fort war würde er sicher wiederkehren. Trotzdem, bedankte er sich bei Vidrak für jenes Gespräch. Es fehlte ihm, so sagte er, mit Leuten zu reden. Das einzige, was er vermisse.

Hochdei, 1. Tag des Blothmath

nächsten Tag sprach der Eremit kaum. Wenn, dann war es lautes und wirres Zeug. Er schrie die Reisenden an, sie sollen endlich gehen, und beschimpfte Filibert unwirsch. Zu guter letzt jedoch drückte er dem Jäger ein alten verwitterten Axtkopf in die Hände. Er erkannte sie sofort. Es war der Kopf der alten Axt "Wolfreißer". Ein Relikt, dass einmal einem großen Oberhaupt der Waldmänner gehört hatte. An die Einzelheiten konnte er sich nicht recht erinnern, doch es hieß, die Axt sei mit dem Oberhaupt im Kampf gefallen und für immer verschollen. Dem Jäger blieb wenig Zeit für Dank, denn der Eremit lief bereits fluchend und mit sich selbst redend wieder zu seiner Behausung und griff nach dem Bogen. Filibert bedeutet, es sei definitiv Zeit aufzubrechen.

Auf dem Rückweg dachte Vidrak über die Worte des Eremiten nach und seufzend ließ er schließlich die Edelsteine, die er im Wald gesammelt hatte beiläufig auf dem Weg fallen. Seinen Raben jedoch konnte er nicht davon überzeugen, und so wanderte einer der großen ungeschliffenen Rubin wieder in Vidraks Reisebeutel zurück. Auch auf dem Rückweg war die Stimmung, trotz erholsamen Schlaf zwischen Baldor und Belgo nicht besser geworden. Filibert und Vidrak versuchten mit Baldor zu reden, doch dieser konnte sich kaum an etwas erinnern. Auch wusste er nicht mehr, wen er schließlich auf der anderen Waldseite treffen wollte. So kam es, dass die Gefährten die Ladung nach Hinweise durchsuchten.

Filibert fand einen Brief, in dem schließlich erklärt wurde, dass eine Cousine Alfarn auf ihn wartete. Baldor hatte wohl beschlossen, dass er Belgo nicht mehr ernähren könnte. Alfarn hatte sich bereit erklärt ihn bei sich aufzunehmen. Das Geld, was er mit dem Werkzeug und Spielsachen erhandeln würde, sollte als Pfand für Belgo dienen.  Baldor bestätigte, dass er sich an dieses Vorhaben erinnere. Es sei das Beste für den Jungen. Zumal er sich nun auch nicht mal richtig an ihn erinnern konnte. Er hatte dem Jungen nichts zu bieten außer Armut und Vergessen. Belgo schwieg während dessen.  Vidrak und Filibert erkannten deutlich, dass er sich an seinem Schmuckstück, dass er noch immer vor seinem Vater versteckt hielt festklammerte. Nun herrschte endgültig eine finstere Stimmung zwischen Vater und Sohn und noch war die Gruppe nicht aus dem Düsterwald heraus.

Doch allzu weit konnte die Waldpforte nicht mehr sein…

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Namo

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