Narn i Eryn Galen - Geschichten des Grünen Waldes

Ein Feuer im Wald

Meresdei, 15 Tag des Winterfilth 2946

Vidrak hatte zusammen mit Randur die große Aufgabe in Angriff genommen die Stufen von Girion wieder zu ihrem alten Glanz zu verhelfen. Während also Randur, mittlerweile ein Mann des König, sich um die Holzarbeiten kümmerte, legte Vidrak nicht nur sein Vermögen, sondern auch alles Können und Tatkraft in dieses Projekt. Es galt Glóin zu beeindrucken und neue Investoren zu begeistern. Durch das geschäftige Treiben blieb von dem Abenteuer im Rethe neben den geschlossenen Freundschaften und Heldetaten kaum Erinnerung an die Dunkelheit des Düsterwaldes zurück. Doch für dieses Jahr war bereits genug Erledigt worden.

Eine letzte Karawane, die vom Süden her kam, wurde über das neue Räderwerk noch empor gehoben. Das Schicksal wollte es, dass ein Hobbit, angestachelt von den Erzählungen seiner Verwandten, mit dieser Karawane reiste. Filibert Took, kein Unbekannter sondern ein Freund Randurs. Schnell war beschlossen den Weg nach Esgaroth gemeinsam zurück zu legen.

Die Stadt im Langen See war bald in Sicht, doch die verzweifelten Schreie eines kleinen Jungen drangen an Filiberts Ohren. Der Junge stand am Rande des Eilend und schrie um Hilfe. Sein Vater wurde von einigen Halunken bedroht. Die Gefährten eilten ans Ufer und ließen sich von dem weinenden Jungen schnell in den Wald führen. Baldor, ein Händler aus Esgaroth, hatte sich einige Wachen angeheuert, die nun mehr daran interessiert waren ihn auszurauben. Das mutige Auftreten der Gefährten und Randurs Warnung, sie würden es mit einem Manne des Königs zu tun bekommen, ließ die Gauner jedoch schnell ihre Chance neu abwägen.

Der dankbare Baldor stellte sich und sein Sohn Belgo vor. Sie waren gerade aufgebrochen um ihre Güter am Westtor zu verkaufen. Werkzeug und Spielsachen. Nun mussten sie aber wohl neue Wächter anheuern, die sie durch den Düsterwald begleiten würden. Dies würde sicher schwer werden.  Es sei den die drei Herren würde diese Aufgabe übernehmen.  Kurzentschlosse nahmen die Herren an. Vor allem Vidrak war begeistert. Er sah eine Möglichkeit selbst einige Waren unter die Leute… auch unter die Elben zu bringen, denn Baldor wollte zunächst in den Hallen des Elbenkönigs rasten. Angeblich kannte er dort noch einen Elben aus seinen früheren Händlertagen.

Zunächst gingen sie gemeinsam zurück nach Esgaroth um für den Herbst und Winter umzurüsten. Dort erfuhr Randur von den Stadtwache, dass die drei Halunken, die sie verjagt hatten wohl stadtbekannt seien. Sie wünschten Randur und seinen Gefährten Glück, denn das konnte vor allem Baldor gut gebrauchen. Er hatte seine Frau im Drachenfeuer verloren. Nur seinen Sohn habe er retten können. Seitdem sei es auch finanziell mit Baldor bergab gegangen. Vidrak sah sich nach Geschäftspartnern um und Filibert musste feststellen, dass die Elben im Handelsviertel nicht jeden in ihren Bezirk hinein ließen.

Baldor plante mit den Gefährten die Reise. Seiner Rechnung nach brauchten sie sechs bis sieben Tage bis zum Westtor. Dort wollten sie eine Woche bleiben um zu Handeln. Dann ginge es wieder zurück. Mit Glück wären sie vor dem ersten Schnee schon wieder in Esgaroth.

Hohdei, 16. Tag des Winterfilth

Früh am morgen brache die Gruppe auf und kamen gut voran. Bereits am Abend erreichten sie die Stelle an der sie von den Elben abgeholt werden sollten. Baldor entzündete bei Sonnenuntergang eine gut verborgene Fackel. Im Nebel näherten sich bald lautlos zwei Elbenfähren. Auf alles gefasst, stellte sich der Elb – Lindar – allen Weggefährten gegenüber als außergewöhnlich höflich und freundlich heraus. Wie sie später erfuhren war er durch Galions Missgeschick in der hiesigen Hierarchie aufgestiegen. Auch die Begegnung Galions mit Randur und Vidrak war ihm zu Ohren gekommen und schien ihn sehr zu belustigen.

Durch ein schier endloses Tunnelsystem, dass unter den Berg zur Halle des Königs führte, gelangten sie schließlich in eine Art kleinen Höhlenhafen. Sie wurden gebeten diese Halle nicht zu verlassen. Während Baldor mit Lindar zusammen einige geschäftliche Dinge klärten, wurden die übrigen gut bewirtet. Besonders Belgo wurde von den Elben verwöhnt. Sie hatten offensichtlich Gefallen an dem kleinen Kind gefunden. Baldor erklärte später, dass die Elben im Düsterwald nur selten Nachwuchs bekamen. Es sei so eine Art Melancholie, oder der gleichen, die sie davon abhielten. Während ihres Aufenthaltes schaffte es Vidrak die Aufmerksamkeit der Elben auf seine Waren zu lenken. Die außergewöhnlichen Schmuckstücke verkauften sich gut. Außerdem konnte  er einen besonders schönen Verlobungsring gegen eine wertvolle, wenn nicht sogar lebensrettende Information tauschen. Zwar konnte sein Wunsch, den Kartenraum der Elben zu sehen nicht erfüllt werden, aber der handelnde Elb verriet Vidrak einige Stellen im Wald, wo die Präsenz der Elben aus glücklicheren Tagen noch erhalten sei. Alte Trinkhallen des Königs, die selbst vom Schatten noch immer gemieden würden. Vidrak musste zuvor versprechen, dass er diese Orte nur allein, mit seinen Gefährten, nutzte. Sie dürften niemals weiter erzählt oder anderweitig in Karten eingetragen werden. Auch, weil diese Orte zwar für die Elben ungefährlich seien, aber er nicht wüsste, wie es mit den anderen Völkern Ardas stünde. Außerdem riet er  Vidrak nicht von den Gewässern des Düsterwaldes zu trinken.

Randur machte des nachts eine interessante Entdeckung. Der junge Belgo schien selbst ein sehr kostbaren Schatz bei sich zu tragen. Er trug einen großen, meisterhaft bearbeiteten Saphir an einer silbernen Kette um den Hals. Auffällig war, dass er gut darauf achtete ihn stets unter seinem Hemd zu verbergen. Dies erzählte er Vidrak, der sich natürlich weit aus besser mit Juwelen auskannte. Er versprach darauf zu achten.

Sterrendei, 17. Tag des Winterfilth

Die Nacht war erholsam, und die Abenteurer und Händler wurden mit den schnellen Booten der Elben schon früh am morgen zum Elbenpfad gebracht. Obwohl es bereits Mittag war, als sie ankamen, machte der Düsterwald einen dunklen Eindruck. Lindar fragte Baldor erneut, ob er diese Reise nicht verschieben, oder wenigstens Belgo wieder nach Esgaroth zurück schicken wollte. Doch dieser lehnte ab. Er wollte seinen Sohn bei sich haben. Den Gefährten wünschte er viel Glück und riet ihnen eindringlich nicht vom Weg abzukommen. Er zeigte ihnen die versteckte Signalfackel. "Entzündet sie wenn ihr Hilfe braucht oder es Zeit für die Überfahrt wird. Wenn wir können, helfen wir." Lindar würde sie sonst in etwa zwei Wochen wieder zurück erwarten.

Der Abschied von Lindar verursachte in Vidrak überraschendes Unbehagen. Der Wald schien plötzlich düster, dunkel und bedrohlich. Gedanken von wandelnden bösen Baumen, Spinnen und allerlei Bestien kehrte in die Gedanken der Freunde ein. Er entschied sich sein alten Freund und Begleiter Kiktok zu rufen und ihn abermals als Späher einzusetzen.

Erdrückt von der schweren Luft im Wald kamen  sie mühsam voran. Gegen Abend lagerten sie nicht weit vom Weg auf einem kleinen von Sträuchern umrankten Plätzchen. Vidrak beobachtete den Jungen wie er versuchte Feuer zu machen, so wie er es ihm zuvor gezeigt hatte. Es gelang und stolz ließ sich der erschöpfte Junge neben seinen eben so ausgelaugten, aber stolzen Vater nieder. Randur scheuchte auf der Jagt einige schwarze Vögel auf, welche krächzend in den Wald flogen und dort abrupt verstumten. Beunruhigt kehrte er zur Gruppe zurück und überreichte den Vogel. Man freute sich zunächst auf ein köstlichen Braten, doch selbst Filibert konnte dieses Tier nicht so zubereiten, dass er bekömmlich war. 

Die stickige Luft  und das warme prasselnde Feuer ließ die Reisenden  schnell in tiefen Schlaf fallen. Während Vidraks Wache, fiel diesem der Blaue Stein des Jungen wieder ein. Und tatsächlich konnte er nun einen langen Blick auf den bezaubernden und kostbaren Stein werfen. Bald jedoch bemerkte er im Augenwinkel etwas flattern und er sah zu Filibert hinüber. Der Hobbit war übersät von großen roten Schmetterlingen, die glitzernde, goldene Pollen verloren. Filiberts Gesicht sah schmerzverzerrt aus und Vidrak griff sich einen Umhang und schlug auf die Schmetterlinge in Filiberts Gesicht. Die Anscheinend waren diese insekten eine Art Mücken. Mit tauben Gesicht schlug Filibert benommen die übrigen Insekten von sich. Auch Baldor und die Ponys hatte es erwischt. Doch mit einer Fackel  und rauch ließen sich die Schmetterlinge vertreiben. Nach dem ersten Schreck, säuberten Baldor und Filibert ihre tauben und zerstochenen Gesichter.

Immer wieder flatterten in dieser ersten Nacht im Wald rote Schmetterlinge durch das dunkle Dickicht des Waldes über die Freunde hinweg. Langsam schoben sich Nebelschwaden durch das Geäst  und bald spendete nur noch das warme Lagerfeuer ein kleines Gefühl von Vertrautheit.

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Namo

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